Stellwerk Zollverein e.V.
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Essen, 22.08.2005

Stellwerk-Stipendiat möchte auch Essener Obdachlose an seinem Fotoprojekt beteiligen


Wege mit (anderen) Geschichten

Der Künstler will dazu insgesamt 20 bis 30 Personen bitten, ihm einen Fußweg oder eine Fahrstrecke innerhalb der Stadt Essen zu beschreiben. Und zu erklären, warum dieser Weg eng mit ihrem eigenen Leben verknüpft ist. Einzige Voraussetzung: Die Informanten sollen selbst in Essen leben.

Was heißt aber “in Essen leben”? Welche Lebenswege sind repräsentativ? Und welche Bevölkerungsgruppen? Da, wo es um die Definition von gemeinsamer Identität geht, fällt Nichtsesshaftigkeit mit ihren Begleiteffekten Armut und Ausgrenzung oft aus dem Wahrnehmungsraster. Zwar sind Mobilität und Flexibilität längst zu anerkannten gesellschaftlichen Werten geworden. Dass die Kehrseite dieser Entwicklung auch in der Auflösung von kontinuierlichen Orientierungsmodellen, sozialen Bindungen und Sicherheiten besteht, wird da schon weniger gerne in den Blick genommen.

Für den Künstler ist jedoch klar, dass er eine möglichst umfassende Breite der Stadtbevölkerung in sein Projekt einbeziehen möchte. Dazu zählen unter anderem auch die Obdachlosen, mit denen er über ihre eigenen Wege und Geschichten ins Gespräch zu kommen wünscht. „Ich möchte mit diesem Projekt versuchen, die Beziehungen zu anderen Menschen zu zeigen - und die Vorstellungskraft von anderen zu wecken“, so Higuchi.

Higuchi beabsichtigt keine Sozialreportage, und er will nicht werten. Er möchte etwas über das tägliche Leben und die Mentalität der Menschen erfahren. Von den gehörten Geschichten ausgehend, will er als Fremder die Stadt durch andere – und bestenfalls viele verschiedene - Blickwinkel sehen. Die Wege wird er dann selbst nachgehen und in eigener Sicht künstlerisch interpretieren. Mit seiner Fotokamera möchte er die persönlichen Bezüge an den realen Orte aufspüren und im Bild ‘festhalten’. Was ihm an den Wegschilderungen besonders bedeutsam erscheint, soll jeweils über den Bildtitel assoziierbar bleiben. So entsteht eine Reihe von Erinnerungsbildern an individuelle Biografien, die sich in der Serie je nach Vielfalt der unterschiedlichen Wege und Perspektiven vielleicht zu einer kollektiven ‚mental map’ verdichten könnten. Wenn das gelingt, kann auf diese Weise auch eine Reflexion des Sozialen im Spiegel seines urbanen Umfeldes stattfinden.

Die fertige Fotoserie wird im November in einer Ausstellung gezeigt – dazu sind alle Beteiligten besonders herzlich eingeladen.

Bis zum 30. November 2005 wohnt und arbeitet Higuchi im Stellwerk an der Katernberger Straße 107. Jeweils Freitags und Samstags zwischen 16 und 18 Uhr ist sein Atelier für Besucher geöffnet. Eine telefonische Voranmeldung ist wünschenswert, damit bei Bedarf ein Übersetzer vor Ort ist. Wer den Künstler bei seinem Projekt unterstützen möchte, kann entweder selbst dort vorbeikommen oder seine „Wegbeschreibung“ an den Stellwerk Zollverein e.V. schicken. Nähere Informationen gibt es unter: Tel. 0201-88 72 111, info@stellwerk-zollverein.de, www.stellwerk-zollverein.de. Bürotage: Montag, Dienstag und Donnerstag, 9:00 bis 15:00 Uhr.

Kontaktadresse für „Wege mit Geschichten“:
Stellwerk Zollverein e.V., Bernhard Lottes, Katernberger Str. 107, 45327 Essen, Tel. 0201-88 72 111, Fax: 0201-88 72 118, info@stellwerk-zollverein.de, www.stellwerk-zollverein.de

Ansprechpartner für die Presse:
Andreas Dunkel, Wittener Str. 219, 44803 Bochum, Tel. 0172-93 23 842, andreas.dunkel@gmx.com

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