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Essen, 08.03.2006

Juryentscheidung: Stellwerk Zollverein e.V. lädt eine Künstlerin aus Polen aufs Triple Z ein



Gartenzwerge erobern das Stellwerk

Im dritten Jahr seit seiner Gründung betritt der Stellwerk Zollverein e.V. wieder Neuland. Die Vergabe des erstmals auf sechs Monate verlängerten Stipendiums überrascht mit Mut zu einer unerwarteten künstlerischen Position.


Mit seinen beiden letztjährigen Fotoausstellungen in Stoppenberg und auf Zollverein Schacht XII war der Förderverein für internationale Künstler eher für die leiseren Zwischentöne auf der Klaviatur des Kunstschaffens bekannt geworden. Ab dem 1. Mai wird nun mit der polnischen Malerin und Objektkünstlerin Iwona Liegmann (35) eine Stipendiatin das Atelier im Essener Norden beziehen, deren Bilder und Assemblagen Figürliches und Raumgreifendes erwarten lassen.

In Essen möchte sie ein Projekt umsetzen, in dem Gartenzwerge eine wichtige Rolle spielen – mit Bezug auf die Geschichte der Bergbauindustrie im Ruhrgebiet. Abschließend plant Liegmann eine mehrteilige Installation, welche aus zahlreichen Objekten und einer „Essener Zwergen-Stadtkarte“ in großformatiger Malerei bestehen soll.

Um „Grenzerfahrungen und Identitätserweiterungen des europäischen Bewusstseins zwischen Ost und West“ ging es in der diesmaligen Ausschreibung des Stellwerk Zollverein e.V. Sie richtete sich an Künstler, die aus den seit 2004 der Europäischen Union beigetretenen Staaten Osteuropas stammen. Bewerbungen von estnischen, lettischen, litauischen, polnischen, slowenischen und ungarischen Künstlern gingen ein, sogar über Kanada und Österreich. Die Fachjury, die am 28. Februar zusammentrat, bestand aus Li Silberberg, Künstlerin aus Bochum, Ditmar Schädel, Dozent an der Universität Duisburg-Essen, dem Essener Galeristen Frank Schlag, Ulrich Ströher von der Stiftung Zollverein sowie Andreas Dunkel vom Verein auf dem Triple Z.

Iwona Liegmann knüpft mit dem bis Ende Oktober andauernden Stipendium an einen ersten, sechs Jahre zurückliegenden Besuch in Essen an, bei dem sie bereits in der Galerie Bredeney und der Galerie Obrist ausgestellt hatte. Als Nachfahrin Deutschstämmiger und polnischer Patrioten, begreift sie ihren Aufenthalt auch als Suche nach der eigenen Identität. Ihre Kunstobjekte seien in diesem Sinne „Botschafter der Freundschaft“. Über ihre „Assimilation“ in Deutschland möchte sie ein visuelles Tagebuch führen, verrät sie in ihrer Projektbeschreibung.

Kommt ihre Kunst auf den ersten Blick bunt und leicht daher, erweist sie sich beim genaueren Hinsehen als inhaltlich gehaltvoll und doppelbödig. In gewohnte Schubladen lassen sich ihre von realen Bezügen ins Phantastische ausgreifenden Arbeiten auf jeden Fall nur schwer einsortieren. Fest steht jedoch, dass die Künstlerin den „Kitsch im positiven Sinne“ nach eigenem Bekunden nicht scheut. Nach ihrer Ankunft will sie nach „vergessenen, verlorenen oder schlafenden Zwergen“ suchen und hofft dabei vor allem auf Unterstützung seitens der Bevölkerung. Dass die ‚deutschen’ Gartenzwerge nur passiv irgendwo herumstehen, findet sie enttäuschend. Deshalb möchte sie deren „Geheimnisse enthüllen“ – und damit wohl auch manchen Aspekten der hiesigen Mentalität nachspüren.

Vereinsadresse:
Stellwerk Zollverein e.V., Britta Langowski, Katernberger Str. 107, 45327 Essen, Tel. 0201-88 72 111, Fax: 0201-88 72 118, info@stellwerk-zollverein.de, www.stellwerk-zollverein.de

Ansprechpartner für die Presse:
Andreas Dunkel, Wittener Str. 219, 44803 Bochum, Tel. 0172-93 23 842, andreas.dunkel@gmx.com


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