Stellwerk Zollverein e.V.
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Essen, 08.06.2006

Die polnische Künstlerin Iwona Liegmann sucht Gartenzwerge in Essen


Kunstprojekt in der Welt der Wichtel

Den Kosmos des gemeinen Gartenzwergs kann man als eine Parallelwelt zur Mentalitätsgeschichte nicht bloß der Deutschen verstehen. Dennoch liegt es nahe, die umtriebigen kleinen Kerle, die selten ohne Schürze, Schubkarre oder anderes Werkzeug unterwegs sind, mit der Art von Heimwerkerfleiß und Ordentlichkeit zu verbinden, die angeblich besonders kennzeichnend für uns ist. Zweifellos kann man sie auch als Ausdruck einer Sehnsucht nach Idyllen des häuslichen Lebens betrachten. Dann stößt man schnell auf liebevoll gepflegte Vorgärten, Kleingartenanlagen und begeisterte Sammler, die auf Nachfrage zu manchen ihrer Stücke sehr persönliche Geschichten zu erzählen wissen. Wenn man sich dagegen in die Welt der Mythologie und der Märchen begibt, erfährt man dort von der Verknüpfung von Zwergen mit dem Bergbau. Man kann freilich auch Flohmärkte besuchen, wo dann die arbeits- und heimatlos gewordenen Exemplare als Relikte einer vergangenen Zeit angeboten werden.

Iwona Liegmann tut all dies, um zuletzt zum Kern ihrer eigenen Wohn- und Arbeitsumgebung vorzudringen. Ihr Atelier im Stellwerk Zollverein liegt in Essen Katernberg, einem typischen Ort des Ruhrgebiets, wo sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Region überaus sichtbar miteinander überschneiden. In die alten Zechenhäuser sind längst auch neue Bewohner eingezogen, dazwischen steht die Moschee. Auf dem früheren Schachtgelände haben sich Existenzgründer mit innovativen Unternehmenskonzepten etabliert, während direkt gegenüber des Ateliers eine Taubenklinik des Deutschen Brieftaubenzentrums errichtet wird.

Bei der Künstlerin haben sich inzwischen zahlreiche Wichtel in allen denkbaren Größen und Formen angesammelt. Den meisten Stücken sieht man Alter und Gebrauch deutlich an. Nun geht sie von den Motiven und Stereotypen der „Nanologie“ (Zwergenkunde) aus, um den niedlichen Zipfelträger neu zu erfinden. Besonders den „vergessenen, verlorenen oder schlafenden Zwergen“ will sie zu einem neuen Leben zu verhelfen. Dazu werden die Fundstücke im Atelier zunächst mit neuen Identitäten ausgestattet und in Paaren und Gruppen gruppiert. Danach wird gemalt. Dies kann man beobachten, wenn man sie besuchen mag. Oder ihr weitere Zwergenleihgaben vorbeibringt, was stets willkommen ist.

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