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"Import-Export: Blickwechsel zwischen Japan und Deutschland"

Internationales Atelierstipendium im Stellwerk Zollverein


Higuchi_portrait_camera

Das 2. Atelierstipendium 2005

 

Im Februar 2005 schrieb der Stellwerk Zollverein e.V. erneut  ein fünfmonatiges internationales Atelierstipendium aus. Mit dem diesjährigen Themenschwerpunkt „Import-Export: Blickwechsel zwischen Japan und Deutschland“ war die Erwartung verbunden, wechselseitig prägende Einflüsse im Bereich der visuellen Kultur dieser beiden Länder sichtbar werden zu lassen.

 

 

Juryverfahren

 

Am 10. Mai 2005 sichtete die geladene Fachjury die Bewerbungen. Zwei Künstler mit guten Kontakten in Japan waren dabei: Stefan Pietryga aus Potsdam, der auf Zollverein sein Atelier hat, sowie Christoph Platz aus Bochum. Ulrich Ströher, Sammler und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein, Roger Schimanski von der Galerie Heimeshoff in Essen und Andreas Dunkel vom Stellwerk Zollverein e.V. vervollständigten die Jurybesetzung. Die Entscheidung fiel auf den Foto- und Installationskünstler Tatsuya Higuchi.

 

 

Der Stipendiat - Tatsuya Higuchi

 

Tatsuya Higuchi wurde 1972 in Kanagawa (Japan) geboren. Er schloss sein Studium an der Tama Universität in Tokyo ab und lebt in Yokohama. Vom 29. Juni bis 30. November 2005 wohnte und arbeitete der Künstler im Stellwerk auf dem Triple Z Gelände.

 

Higuchi wird von der Berliner Galerie Murata and friends vertreten. Dort fand vom 18. November 2005 bis zum 15. Januar 2006 eine Ausstellung zurückliegender Arbeiten statt. 2006 wird der Kunstverein Wiesbaden vom 14. Mai bis zum 25. Juni eine weitere Werkausstellung mit dem Titel "scent of no scent" zeigen.

 

 

Exhibition_Higuchi_Stellwerk_Zollverein_1Das Projekt

 

Sein Essener Projekt trägt den Titel „Gewöhnlicher Weg der Frau.../ des Herrn...“. Wie in all seinen bisherigen Werken reflektiert er damit Aspekte der Verzeitlichung und Verräumlichung menschlicher Existenz. Nutzt er dazu jedoch sonst meist ausschließlich seine eigenen persönlichen und körperlichen Relationen als Ausgangspunkt, so tritt er hier bewusst in einen Dialog mit anderen Menschen:

 

„Die Wege und Straßen, die die Menschen gewöhnlich benutzen, sind Orte, die (…) unterschiedliche Erinnerungen und Bedeutungen wachrufen (…). Ein anderer Mensch, der mit mir (…) in der gleichen Zeit lebt, hat selbst wenn er die gleiche Landschaft sieht, andere Gedanken als ich. Ich möchte mit diesem Projekt versuchen, die Beziehungen zu anderen Menschen zu zeigen und die Vorstellungskraft (…) zu wecken.“

 

Insgesamt 16 Essener/innen, Angehörige ganz unterschiedlicher Bevölkerungs- und Altersgruppen, sind Higuchis Einladung gefolgt, haben dem Künstler einen Fußweg oder eine Fahrstrecke innerhalb der Stadt Essen gezeigt und ihm erklärt, warum dieser Weg eng mit ihrem eigenen Leben verknüpft ist. Higuchis Fotos bilden diese individuellen Bezüge jedoch nicht ab, zumal die jeweils mit ihnen in Verbindung stehenden Personen gar nicht darauf zu sehen sind. Nur die knappen, zweisprachigen Bildlegenden, die den jeweiligen Wegsequenzen gleichwertig hinzugefügt worden sind, vermögen es, diese Zusammenhänge vage vorstellbar zu machen.

 

In seinem Stadtporträt, das auf zahlreichen subjektiven Kartierungen beruht, stilisiert Higuchi die stets in gleich bleibender Kameraeinstellung aufgenommenen Wegpassagen unversehens zu ihren Alltagsbezügen ebenso wie linearen Zeitstrukturen enthobenen Imaginationsräumen. Im Zusammenhang mit den jeweiligen Titelinformationen verschmelzen Räume und Personen gleichsam zu mentalen Projektionsflächen, in die man sich als Betrachter mittels der eigenen Vorstellungskraft hineinversetzen könnte.

 

Dieses Fotoprojekt ist nicht spektakulär, im Gegenteil. Es vermeidet geradezu, von sich aus Bedeutungen zu schaffen, zu beeindrucken oder zu emotionalisieren. Dennoch gelingt es dem Japaner, ganz unterschiedliche, scheinbar ‚typische’ ebenso wie ‚untypische’ Essener Lebenswege zu würdigen, vielleicht auch, ihnen ein bescheidenes Denkmal zu setzen, jedenfalls aber, mit ihnen in einen Dialog zu treten:

 

„Es kommt oft vor, dass unsere Vorstellungskraft von anderen nicht ausreicht, obwohl wir uns gegenwärtig in einer globalen Entwicklung befinden. Gerade deshalb möchte ich ein Projekt zur Gewinnung von Vorstellungskraft über andere, die im gleichen Zeitalter leben, vorschlagen.“

 

 

Exhibition_Higuchi_Stellwerk_Zollverein_2Die Ausstellung

 

Neben der 15-teiligen Essener Werkserie zeigte eine vom 29. November bis zum 18. Dezember 2005 laufende Ausstellung im Atelier Pietryga auf Zollverein, Schacht XII, Halle 12, auch eine Installation aus seinem ständig fortgesetzten Projekt „Boxed Sky“. Die kleinformatigen Leuchtkästchen entstehen durch das Abfotografieren des Himmels an sonnigen Tagen, wobei die dafür verwendeten Diapositive ausgeschnitten und in kleine Boxen gefaltet werden.

 

Text: Andreas Dunkel

Fotos: Tatsuya Higuchi, Stellwerk Zollverein

 

 

Kontakt für weitere Informationen:

Telefon:    +49 201/88 72 111
Mail:        
info@stellwerk-zollverein.de

Bildergalerie

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